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Pressemitteilungen
03.01.2018

Ärztliche Versorgung im ländlichen Raum - Zukunftswerkstatt im Landkreis Tuttlingen

Im Rahmen des Modellprojekts zur Sicherung der ambulanten Versorgung in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg wurden inzwischen in allen drei beteiligten Landkreisen sogenannte Zukunftswerkstätten durchgeführt. Ärztinnen und Ärzte, verschiedene Akteure aus dem Gesundheitsbereich, Bürgermeister und Vertreter der Landratsämter haben gemeinsam darüber beraten, wie auch langfristig eine wohnortnahe Versorgung sichergestellt werden kann. Die „Zukunftswerkstätten“ fanden in vier „Fokusräumen“ in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg statt.

Im Landkreis Tuttlingen wurde der nördliche Landkreis Tuttlingen – inklusive dem Heuberg – als „Fokusraum“ definiert. Eine erste Zukunftswerkstatt fand am 6. November 2017 in Frittlingen statt. „Die hohe und positive Resonanz auf diese Veranstaltung spiegelt das große Interesse der Ärzte, der kommunalen Vertreter und auch der Bürgerschaft an diesem Thema wider. Alle waren sich darin einig, im engen Dialog zu bleiben und sich Gedanken über etwaige Kooperationen von Arztpraxen zu machen“, resümiert Landrat Stefan Bär. „Ferner wurde von allen Seiten bestätigt, dass man sich frühzeitig mit Nachfolgeregelungen auseinandersetzen muss“, so der Landrat.

In weiteren Zukunftswerkstätten sollen die erarbeiteten Ansätze konkretisiert und bis Mitte 2018 in einer zweiten Veranstaltungsrunde zur Umsetzung geführt werden. Aktuell sind im Landkreis Tuttlingen 16 Arztsitze nicht besetzt. Weitere Ärzte werden in 2018 die Praxis altersbedingt aufgeben. „Der Handlungsdruck für alle Beteiligten ist hoch“, unterstreicht Landrat Bär. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass auch in Zukunft alle Bürgerinnen und Bürger uneingeschränkten Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Medizinische Grundversorgung – auch und gerade im ländlichen Raum – ist Daseinsvorsorge“, betont der Landrat. „Das können wir jedoch nicht alleine stemmen. Deshalb setzen wir uns mit der Ärzteschaft und der dafür zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zusammen, um passende Lösungsansätze für unsere Region zu erarbeiten“, erläutert der Landrat den dringenden Bedarf im Landkreis.

Im Kern des Projekts steht die Erkenntnis, dass die beteiligten Landkreise und ihre Gemeinden junge Ärztinnen und Ärzte für eine Arbeit in den ländlichen Gemeinden gewinnen müssen. Der medizinische Nachwuchs wünscht sich vermehrt moderne, flexible Arbeitsbedingungen, am Anfang oft auch im Angestelltenverhältnis, die in ländlichen Kleinpraxen so oftmals nicht realisierbar sind. Deshalb gilt es nun, moderne Strukturen zu schaffen, die diesen Ansprüchen gerecht werden können. Den Weg dahin können am besten größere Zusammenschlüsse von Ärzten bahnen. Entscheidend dabei sind auch eine enge Kooperation von Ärzteschaft und Gemeinden sowie frühzeitige Bemühungen um die eigene Nachfolge. Ein wichtiger Beitrag dazu kann die Bereitschaft niedergelassener Ärzte zur Weiterbildung junger Ärzte sein.

In den vier Fokusräumen werden nun individuell abgestimmte Ansätze verfolgt. Im Landkreis Tuttlingen kooperieren Ärzte und Kommunen bereits in Projekten zur Nachwuchsakquise. Hier wird ein Gesundheitsdialog entwickelt, mit dem Ärzteschaft und Kommunen eine regelmäßige Austauschplattform erhalten, von der aus sie die Versorgungssicherung im gesamten Landkreis gemeinsam angehen. Darüber hinaus werden auch Themen für die gesamte Region Schwarzwald-Baar-Heuberg vorangetrieben: Eine umfassende Nachwuchsförderung gehört ebenso dazu wie der Ausbau von Pilotprojekten zur Telemedizin. Außerdem wird geprüft, welche Änderungen in der ärztlichen Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung eine Hilfestellung in der Sicherung der Versorgung leisten können.

Für das Projekt haben der Landkreis Tuttlingen sowie der Schwarzwald-Baar-Kreis und der Landkreis Rottweil das Forschungs- und Beratungsinstitut Quaestio und das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt beauftragt. Das Projekt wird durch eine Finanzierung des Ministeriums für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg ermöglicht und in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg durchgeführt.

Mehr Informationen zum Projekt können auf der Internetseite www.landarzt-sbh.de abgerufen werden. Weiterhin besteht dort die Möglichkeit, Kontakt zu den Projektverantwortlichen aufzunehmen.