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Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis Tuttlingen

Der Landkreis Tuttlingen ist nicht nur ein wirtschaftlich starker Landkreis, sondern auch ein starker Landkreis in Bezug auf die Natur- und Landschaftsausstattung. Und ein starker Landkreis in Bezug auf den Schutz von Natur und Landschaft.

Die Landschaft im Landkreis

Der Landkreis Tuttlingen zeichnet sich durch folgende landschaftliche "highlights" aus:

  • die Schwäbische Alb erreicht am Lemberg mit 1015 Metern ihren höchsten Punkt
  • der einzigartige Albtrauf mit seinen charakteristischen Kalkbuchenwäldern erhebt sich als weithin sichtbare Steilstufe über dem Faulenbach- und Primtal
  • im Landkreis beginnt das Donaudurchbruchstal, eine der beeindruckendsten Landschaften Baden-Württembergs
  • der Große Heuberg zählt mit seinen großflächigen, extensiv bewirtschafteten Mähwiesen zum Urbild einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft
  • die fruchtbaren Donauwiesen zwischen Geisingen und Mühlheim sind weitgehend in einem naturnahen, ökologisch wertvollem Zustand
  • vom Witthoh hat man einen atemberaubenden Blick auf die Alpenkette.

Die vielfältige Landschaftsausstattung bedingt auch die hervorragende Ausstattung des Landkreises mit verschiedensten Lebensräumen für eine sehr artenreiche Tier- und Pflanzenwelt.

Das Gebiet des Landkreises zählt zu den Altsiedellandschaften. Trotzdem gibt es bis heute nur eine vergleichsweise dünne Besiedelung und extensive Landnutzung. Auch dies sind wichtige Bedingungen für eine reichhaltige Naturausstattung.
Landschaftssprägend waren über Jahrhunderte hinweg extensiver Ackerbau im Rhythmus der Dreifelderwirtschaft auf tiefgründigen, siedlungsnahen Standorten sowie ausgedehnte, extensive Weidewirtschaft (Hutweide mit Rindern und Schafen) auf den entfernteren und flachgründigen Standorten.

Die naturschutzfachliche Besonderheit (wenn nicht sogar Einzigartigkeit) des Landkreises Tuttlingen liegt begründet im:

  • Vorkommen von weiträumigen, gut vernetzten und überwiegend extensiv genutzten Landschaftsräumen
  • Vorkommen von vom Menschen (fast) unbeeinflußten Biotopen wie Felsen mit ihren an die panonische Steppe erinnernden Pflanzenwelt auf den warmen Felsköpfen (Fachbegriff: "Steppenheidegesellschaften") und Blockhalden
  • Vorkommen von Zeugnissen historischer Bewirtschaftungsformen wie z.B. 
    • aus dem extensiven Ackerbau herrührenden Steinriegel-Heckenzeilen- Landschaften wie z.B. in Kolbingen, Bärenthal und Irndorf 
    • die durch Wanderschäferei entstandenen großflächigen Wacholderheiden wie z. B. das Naturschutzgebiet (NSG) "Kraftstein" bei Mahlstetten (größte Wacholderheide im Regierungsbezirk Freiburg) 
    • die durch Weidewirtschaft und Streunutzung entstandenen lückigen Weidewälder, die sog. Holzwiesen oder Hardte (das berühmteste Beispiel ist das NSG "Irndorfer Hardt") bei Irndorf 
    • die durch extensive Wiesennutzung geprägten, blumenbunten Heu-Bergwiesen-Landschaften des gesamten Großen Heubergs.
    • Vorkommen ausgedehnter, blumenbunter Magerwiesen für die der Landkreis zusammen mit dem Zollernalbkreis sogar landesweite, wenn nicht sogar im Hinblick auf die Festlegung von Natura-2000-Gebieten europaweite Verantwortung besitzt
    • Vorkommen großflächiger, natürlicher Kalkbuchenwälder am Albtrauf sowie urwüchsiger Ahorn-Eschen-Schluchtwälder mit herrlichem Märzenbechervorkommen in den Donauseitentälern wie z.B, im Hintelestal oder im Lippachtal
    • Vorkommen weiterer einzigartiger Einzelbildungen der Natur bzw. der Kulturlandschaft wie z. B. Donauversickerung, Dolinen, Höhlen, Bohnerzgruben und Hülben.

Pflanzen und Tiere im Landkreis

Aufgrund dieser kulturhistorischen, geologischen, naturräumlichen und landschaftlichen Besonderheiten hat sich eine bis heute große Fülle an seltenen Pflanzen und Tierarten entwickelt. Dieser Artenreichtum drückt sich aus im:

  • Vorkommen von über 500 Pflanzenarten je Meßtischblatt, womit das Gebiet zu den floristisch artenreichsten Gebieten Baden-Württembergs zählt
  • Vorkommen von über 50 besonders seltenen und schutzwürdigen Farn- und Blütenpflanzen wie z.B. Frauenschuh, verschiedenen Knabenkrautarten und dem Märzenbecher
  • Vorkommen seltener Tierarten wie z.B. Wanderfalke, Raubwürger und Uhu bei den Vögeln, Gelbbauchunke bei den Amphibien oder Kreuzenzian-Bläuling bei den Schmetterlingen
  • Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass es auch ein Blumenwappen des Landkreises gibt. Es enthält eine Auswahl der für den Landkreis typischen, meist seltenen und geschützten Pflanzenarten. Im Uhrzeigersinn sind im Jahresgang folgende Pflanzen abgebildet: Das Leberblümchen, der Märzenbecher, der Seidelbast, die Küchenschelle, das Maiglöckchen, der Türkenbund, der Frauenschuh, das gefleckte Knabenkraut, die Arznei-Schlüsselblume, das rote Waldvögelein, die Kartäusernelke, der Wacholder und die Silberdistel. 

Schutzgebiete im Landkreis

Die herausragende Bedeutung des Gebietes für den Naturschutz manifestiert sich in der Ausweisung zahlreicher Schutzgebiete unterschiedlichster Kategorien:

So besitzt der Landkreis:

  • 24 Naturschutzgebiete mit einer Fläche von ca. 2200 ha
  • 44 Landschaftsschutzgebiete mit einer Fläche von knapp 7000 ha
  • 35 Flächenhafte Naturdenkmale mit einer Fläche von ca. 70 ha
  • Diese Schutzgebiete umfassen knapp 9 000 ha. Dies entspricht ca. 11 % der Landkreisfläche. Nicht berücksichtigt wurden dabei die Naturparkfläche sowie die gesetzlich geschützten Biotopflächen und die FFH-Gebiete, die sich aber teilweise überlappen.
  • Naturschutz und Landschaftspflege sind allerdings nicht zum Nulltarif zu haben.
  • Öffentliche Hand investiert jährlich knapp 400 000 EURO für Naturschutz und Landschaftspflegmaßnahmen im Landkreis Tuttlingen.
  • Mittel kommen via Landschaftspfleverträgen in erster Linie den heimischen Landwirten und über Pflegeaufträge mit Hilfe der Waldarbeitern den Gemeinden zu Gute.
  • Investitionen in Naturschutz und Landschaftspflege kommen auch dem Tourismus zugute, der "blühende Landschaften" hier nicht vergeblich sucht.

Der Landkreis und der Biber

Ein wichtiges Tier bei der Aufzählung der seltenen Tiere vergessen:

  • Der Biber, der seit nun ca. 5 Jahren hier im Westen des Landkreises wieder heimisch geworden ist.
  • Nicht nur Sympathieträger, sondern auch Zeichen, dass an seinem Vorkommen das dortige Ökosystem in Ordnung bzw. wieder in Ordnung ist.
  • "Wieder in Ordnung", weil sein Lebensraum erst durch die von der Stadt Tuttlingen begonnene Donaurenaturierung wieder hergestellt wurde.
  • Nähere Informationen über die Verbreitung des Bibers in Baden-Württemberg sowie seine Biologie erläutern Frau Bettina Sättele, die Biberbeauftragte der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Freiburg sowie Herr Dieter Nickel, der Biberbeauftragte des Landkreises, in ihren jeweiligen Referaten.

Warum Naturschutz ?

  • Die Rückkehr des Bibers nach Tuttlingen ist auch wichtiges und ermutigendes Zeichen, dass wir Menschen aktiv etwas für die Natur tun können und dass es uns die Natur dankt.
  • Auch in Zukunft wichtig, sich für Natur, Landschaft und Umwelt zu engagieren.
  • Ziel von Naturschutz und Landschaftspflege ist im Landkreis der Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft mit seinem vielfältigen Mosaik verschiedenster Landschaftsformen und mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt.
  • Es geht um die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und damit um unsere eigene Existenzgrundlage.

In Naturschutz und Landschaftspflege investieren, heißt in die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen investieren.