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Sitzungssaal Kreistag
03.05.2017

Aus der Sitzung des Ausschusses für Familie, Kinder und Jugend

In der Sitzung des Ausschusses für Familie, Kinder und Jugend am 2. Mai 2017 wurde über das Beratungszentrum „Bärenstark“ und über das „Netzwerk International“ vorberaten. Des Weiteren wurde dem Ausschuss ein Sachstandsbericht zum Thema „Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge“ (UMA) vorgelegt. Darüber hinaus hat der Ausschuss die Durchführung und Mitfinanzierung von Sozialen Trainingskursen im Jugendstrafverfahren beschlossen.

In der Ausschusssitzung vom 21.09.2016 wurde ausführlich über das Versorgungssystem für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und Teilleistungsstörungen berichtet und die Veränderungen beschrieben, die durch die gesetzliche Einführung der sogenannten „Komplexleistung“ notwendig werden. Die Interdisziplinären Frühförderstellen (IFF) der Lebenshilfe und Pfiff sollen sich wieder vermehrt ihrem originären Förder- und Behandlungsfeld zuwenden und sich dezidiert um Kinder mit einer drohenden oder bereits vorhandenen Behinderung kümmern. In der Konsequenz heißt dies, dass Kinder mit Entwicklungsverzögerungen sowie Verhaltensauffälligkeiten ohne behinderungsbedingten Bezug künftig nicht mehr von den Interdisziplinären Frühförderstellen betreut werden dürfen. Hierdurch entsteht eine Versorgungslücke, die im Landkreis Tuttlingen rund 150 Kinder betreffen würde. Aus diesem Grund wurde dem Ausschuss im Herbst eine neue Leistungsform der Frühförderung vorgeschlagen, die diese Kinder auch künftig enger in den Blick nimmt und damit die drohende Versorgungslücke schließt. In der Sitzung wurde die Konzeption des Beratungszentrums Bärenstark vorgestellt, das an der Schnittstelle von Jugendhilfe und Eingliederungshilfe entstehen soll und ein innovatives und inklusives Angebot darstellt, welches ganzheitlich durch Beratung, Diagnostik, Förderung und Therapie Familien in ihrer Selbsthilfe unterstützt. Mit dem Beratungszentrum Bärenstark würde der Landkreis über eine Hilfe für Kinder „aus einem Guss verfügen. Beginnend mit der Fachstelle „Frühe Hilfen“, die sich an Familien mit Kindern vom ersten Lebensjahr bis zum dritten Lebensjahr wendet, schließt sich das Beratungszentrum Bärenstark mit der Betreuung der Kinder von 3 Jahren bis 12 Jahren an. Dadurch wird das bisherige Zentrum für Teilleistungsstörungen (Betreuung der Kinder von 6-12 Jahre) in das neue Beratungszentrum integriert. Folglich könnte der Landkreis eine multiprofessionelle Betreuung und Beratung von Kindern von 0 bis 12 Jahre „aus einer Hand“ im neuen Beratungszentrum Bärenstark vorhalten.

Der Ausschuss begrüßte das Konzept und schlug dem Sozial- und Gesundheitsausschuss vor, die zeitnahe Einrichtung des neuen Beratungszentrums Bärenstark zu beschließen. Die bisherigen Personalstellen und die Mitarbeiterinnen des Zentrums für Teilleistungsstörungen sollen im Zuge einer Organisationsverfügung zum 1. Juni 2017 in das Amt für Familie, Kinder und Jugend überführt und die Mehrkosten in Höhe von jährlich rund 10.000 Euro von der Verwaltung in die Haushaltsberatungen für 2018 eingebracht werden.

 

Die Themen „Heimat und Bleibeperspektive“, „Identität und Europa“, „politische Bildung und Anschlussfähigkeit“ bewegen die Jugendarbeit im Landkreis schon seit vielen Jahren. In den vergangenen Jahren fanden mehrere projektbezogene Veranstaltungen statt. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist deutlich geworden, dass die Gemeinden und Jugendreferate vor Ort zu klein sind, um selbst kontinuierlich und wirksam das breite Themenfeld „Internationale Jugendarbeit“ bearbeiten und dem hohen Bedarf an Angeboten, Kontakte und Konzepten gerecht werden zu können. In einem gemeinsamen Entwicklungsprozess aller Jugendreferate im Landkreis Tuttlingen wurden die Leitziele und ein Konzept für den Aufbau eines Netzwerks mit Kontaktbüro im Bereich Beratung, Bildung, Vernetzung und Projektentwicklung erarbeitet. Angestrebt wird dabei eine Kooperation mit der Volkshochschule Tuttlingen. Die Volkshochschule Tuttlingen wäre dazu bereit, der Konzeption entsprechend eine Bildungsreferentin / einen Bildungsreferenten für den Themenbereich „Jugendarbeit und Internationales“ einzustellen. Aufgabe der Kontaktstelle wäre es, das Wissen zum Thema Internationales im Landkreis zu bündeln und aufzubereiten, die Vernetzung im Kreis voranzutreiben und innovative Konzepte zu entwickeln. Neben Betrieben (Mobilitätsprogramme für Auszubildende, Anwerbung ausländischer Jugendlicher) können auch Schulen (Beratung zum Schüleraustausch), Kommunen (Beratung zur Weiterentwicklung der Städtepartnerschaften), Jugendverbände (Beratung bei internationalen Jugendprojekten) und soziale Einrichtung (Schaffung von Freiwilligenplätzen für ausländische Jugendliche) von dieser Kontaktstelle profitieren. Der Ausschuss empfahl dem Sozial- und Gesundheitsausschuss, das Netzwerk „International“ als Kooperationsprojekt zwischen dem Kreisjugendreferat und der Volkshochschule Tuttlingen e. V. einzurichten. Das Projekt soll auf zwei Jahre begrenzt und aus Rücklagen des Kreisjugendreferats (Fördermittel des Landes) finanziert werden.

 

In einem Sachstandbericht wurden die aktuellen Entwicklungen, die Betreuungssituation im Landkreis Tuttlingen, die Fallzahlen in Bund und Länder sowie die Betreuungssituation der unbegleiteten minderjährigen Ausländer (UMA) dargelegt. Zum Stichtag 7. März 2017 waren im gesamten Bundesgebiet 61.454 UMA gemeldet, davon 7.976 UMA in Baden-Württemberg (Soll 7.969, Quotenüber-schreitung von 7 UMA) und 94 UMA im Landkreis Tuttlingen (Soll 100 UMA). Die Verwaltung geht davon aus, dass der Landkreis Tuttlingen im Mai 2017 von den landesweit zu verteilenden 130 UMA mindestens zwei Personen zugewiesen bekommt und dass ab Mai 2017 weitere UMA-Zugänge zu verzeichnen sein werden.

Von den 94 UMA sind inzwischen 42 junge Menschen volljährig geworden und erhalten Hilfe für junge Volljährige gem. § 41 SGB VIII in Form von betreutem Jugendwohnen oder sonstiger betreuter Wohnfor-men. 37 UMA befinden sich in stationären Wohngruppen (inklusive Erstaufnahmehaus), 24 UMA in Jugendwohngemeinschaften, 22 UMA im Betreuten Jugendwohnen, vier UMA im Betreuten Einzelwohnen, drei UMA in Gastfamilien, vier UMA befinden sich in einer eigenen Wohnung/einem eigenen Zimmer und werden weiterhin ambulant durch die Jugendhilfe betreut. Die engmaschige Betreuung der UMA hat sich bewährt. Im Vordergrund der Bemühungen stehen neben dem Finden geeigneter Wohnungen und dem Aufbau selbständiger Wohnformen auch die schulische und berufliche Perspektive mit passgenauer Vermittlung der UMA in jeweils geeignete Maßnahmen. Von dem Sachstandsbericht nahm der Ausschuss Kenntnis.

 

Jugendliche und Heranwachsende, welche durch sozial unerwünschtes Verhalten auffallen und strafrechtlich in Erscheinung treten, werden gemeinsam mit ihren Eltern vom Amt für Familie, Kinder und Jugend im Rahmen der Jugendgerichtshilfe beraten und begleitet. Die Aufgabe besteht darin, mögliche Hintergründe, Ursachen und Erklärungszusammenhänge für strafrechtlich relevante Handlungen zu eruieren. Darüber hinaus sollen pädagogische Interventionen darauf abzielen, das Unrechtsbewusstsein junger Menschen aufzubauen und weiter zu entwickeln, Schadenswiedergutmachung zu initiieren und gemeinsam mit dem Jugendlichen und seinen Eltern Strategien für ein künftig straffreies Leben zu entwickeln. Die Jugendhilfe arbeitet sehr eng mit der JUKOP zusammen. Bei Ersttätern kommt es häufig zu einer dem Strafverfahren vorgelagerten Diversion. Hierbei werden im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft erzieherische Maßnahmen im Rahmen von Auflagen und Weisungen angeordnet. Weisungen und Auflagen kommen daher sowohl im Rahmen eines Strafverfahrens wie auch bereits im Vorfeld zum Einsatz und unterstreichen so den erzieherischen Charakter des Jugendstrafgesetzes. Eine dieser möglichen Weisungen ist die Teilnahme an einem Sozialen Trainingskurs. Der Soziale Trainingskurs ist ein Gruppentraining, das zum Ziel hat, soziale Kompetenzen zu fördern und Verhaltensprobleme zu überwinden. Soziale Trainingskurse sind eine intensive Maßnahme, um Jugendkriminalität zu bekämpfen und ein sehr geeignetes Mittel, um Wiederholungstaten zu verhindern. Die Polizei, Staatsanwaltschaft und JUKOP stehen hinter diesem Projekt und unterstützen es vorbehaltlos.

Für die Durchführung des Sozialen Trainingskurses entstehen Kosten in Höhe von insgesamt 4.800 Euro je Kurs (Personal- und Sachkosten).Der Verein zur Förderung der Bewährungshilfe im Landgerichtsbezirk Rottweil e.V. kann die Durchführung der Kurse übernehmen und einen Großteil der entstehenden Kosten durch Zuweisung von Geldbußen durch das Strafgericht finanzieren.

Der Ausschuss beschloss, dass die Sozialen Trainingskurse für den Landkreis Tuttlingen entsprechend der Konzeption vom Verein zur Förderung der Bewährungshilfe im Landgerichtsbezirk Rottweil e. V. durchgeführt werden sollen. Aus dem Jugendhilfehaushalt werden zu diesem Zweck 2.000 Euro pro Haushaltsjahr für die Durchführung der Sozialen Trainingskurse bereitgestellt.