Direkt zu:
Landratsamt Tuttlingen

8.1 Pflegestützpunkt

Pflegestützpunkte sind eine zentrale Anlaufstelle für Menschen aller Altersgruppen, die entweder selbst pflegebedürftig sind oder die pflegebedürftige Angehörige haben. Aufgabe der Pflegestützpunkte ist die träger- und leistungsneutrale Beratung und Information von Menschen mit Pflegebedarf und deren Angehörigen, die Stärkung der Selbsthilfekräfte von Pflegebedürftigen und Angehörigen, die Vermittlung und Koordinierung von Hilfen sowie die Vernetzung unter den Anbietern. Die Fragen, mit denen sich die Ratsuchenden an den Pflegestützpunkt wenden, reichen von ambulanten Betreuungs- und Pflegeleistungen und stationären Hilfsangeboten über Leistungen der Pflegeversicherung, Finanzierung, Demenz, Wohnen und Betreuungsrecht bis hin zu Entlastungsangeboten für pflegende Angehörige.

Logo FPS

Finanziert werden die Pflegestützpunkte zu je einem Drittel von Pflegekassen, Krankenkassen und Kreisen, wobei der Bund einen Betrag zur Anschubfinanzierung geleistet hat.40 Der Pflegestützpunkt im Landkreis Tuttlingen befindet sich in der Gartenstraße 22 in Tuttlingen. Er umfasst derzeit 1,5 Stellen. Da der Pflegestützpunkt jedoch mit den 1,5 Stellen deutlich an seine personellen Grenzen stößt, ist ein weiterer Stellenausbau angezeigt.

Im Anhang sind die konkreten Daten der Beratungsstatistik für den Pflegestützpunkt im Landkreis Tuttlingen für das Jahr 2015 bis zum 31.08.2016 aufgeführt.

Das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg beauftragte das Kuratorium Deutsche Altershilfe mit der Evaluation der Pflegestützpunkte, um eine erste Einschätzung über die Qualität der Pflegestützpunkte, der Nachfrage vor Ort sowie ihrer Rolle in der bestehenden Beratungsinfrastruktur zu erhalten. Der Evaluationsbericht stellt u.a. fest, dass mit Blick auf den durchschnittlichen Einzugsbereichs eines Pflegestützpunktes und die personelle Ausstattung, eine wohnortnahe Beratung, die allen Anforderungen an Pflegestützpunkte nach dem
§ 92 c SGB XI erfüllt, nicht gewährleistet werden kann.“41

Gleichzeitig steigt der Bedarf an einer auf den Einzelfall abgestimmten Beratung aufgrund der demografischen Entwicklung, gesetzlicher Neubestimmung eines eigenständigen Anspruchs auf Pflegeberatung und durch ein ausdifferenzierteres Hilfesystem weiter an.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe kommt in der Evaluation der Pflegestützpunkte zu der Erkenntnis, „dass es in Baden-Württemberg auch durch die Etablierung von Pflegestützpunkten bisher noch nicht gelungen ist, eine Beratungsinfrastruktur zu schaffen, die flächendeckend eine wohnortnahe und neutrale Beratung sicherstellt“.42 Die Etablierung weiterer Pflegestützpunkte erscheint sinnvoll und notwendig. Die Landesarbeitsgemeinschaft Pflegestützpunkte folgt dieser Empfehlung und hat beschlossen, dass die Pflegestützpunkte ausgebaut werden sollen.


40 pro Stützpunkt war eine Anschubfinanzierung in Höhe von 45.000 Euro vorgesehen, die bei Einbeziehung von bürgerschaftlichem Engagement auf 50.000 Euro erhöht wurde.

41 Mehnert, Thorsten/Tebest, Ralf (Kuratorium Deutsch Altershilfe), 2013: Evaluation der Pflege-stützpunkte in Baden-Württemberg. Abschlussbericht, Köln. S. 23.

42 Mehnert, Thorsten/Tebest, Ralf (Kuratorium Deutsch Altershilfe), 2013: Evaluation der Pflege-stützpunkte in Baden-Württemberg. Abschlussbericht, Köln. S.74.

zurück