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Pressemitteilungen
19.03.2021

7-Tage-Inzidenz drei Tage in Folge über 100

Derzeit überschlagen sich die Themen und Informationen, so dass Landrat Stephan Bär auch in dieser Woche die aktuellen Themen für die Presse zusammenfasst. Was bewegt die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Tuttlingen am Meisten? Vier wichtige Themen standen in dieser Woche auf der Agenda des Landratsamtes. „In Punkto Impfungen“, so der Landrat, „kann man die vergangene Woche wirklich als Chaostage bezeichnen. Der Impfstopp rund um das Vakzin von AstraZeneca hat bei uns im Kommunalen Impfzentrum (KIZ) für erheblichen Wirbel gesorgt.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten binnen kürzester Zeit alle Impftermine, die zwischen dem 16. März bis einschließlich 22. März 2021 auf Weisung des Bundes ausgesetzt wurden auf den Zeitraum vom 6. April bis 12. April 2021 verschieben. „Uns war es wichtig, nicht wie ursprünglich vorgesehen, die Termine ersatzlos zu streichen, sondern für unsere Bürgerinnen und Bürger gute Lösungen zu finden. Das ist uns gelungen“, zeigt sich Landrat Bär sichtlich erleichtert. Ab dem 23. März wird im KIZ wieder regulär mit AstraZeneca in drei Impfstraßen geimpft. Insgesamt werden pro Woche rund 2.400 Menschen geimpft. Bis heute wurden insgesamt 15.281 Menschen geimpft, davon kam es bislang zu 11.177 Erstimpfungen und 4.104 Zweitimpfungen. Deutlich mehr Impfungen wären bei zusätzlichem Impfstoff möglich. 

Heute verzeichnet der Landkreis 25 neue positive Fälle in 12 von 35 Gemeinden. Genesen sind 35 Personen und ein Todesfall ist neu hinzugekommen. Der 7-Tage-Index liegt heute bei 110. Bereits gestern verzeichnete der Landkreis mit einem Inzidenzwert von 112 den dritten Tag in Folge den durch das Land Baden-Württemberg festgelegten Wert von 100. Mit der Feststellung dieser Überschreitung durch den Landkreis gelten automatisch die Regelungen der CoronaVO, so dass die bisherigen Lockerungen ab dem 22. März wieder zurückgenommen werden. „Es tut mir persönlich leid, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern eine weitere Verschärfung zumuten müssen“, so Bär. Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes lassen sich die gestiegenen Zahlen auf die Lockerungen zurückführen. Die Daten belegen, dass das Ausbruchsgeschehen nach wie vor diffus ist, eine Konzentration von Fällen ist derzeit nicht auszumachen. Die Mutationen spielen eine erhebliche Rolle. 

Landrat Bär plädiert dafür, dass es schon bald zu landeseinheitlichen Regelungen kommt. „Es ist den Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr vermittelbar, warum schon ein minimaler Zahlenunterschied, basierend auf mathematischen Berechnungen, in einem Landkreis zu drakonischen Maßnahmen führt und in anderen Landkreisen ist schon wieder in Teilen fast alles erlaubt“, erklärt Bär die Unverhältnismäßigkeit der Berechnungen. Derzeit befinden sich noch vier Landkreise unter der 50er Marke und vierzehn Kreise im Land liegen über der Schwelle von 100.

Ob Schnelltestungen bzw. Selbsttests der Schlüssel zum Erfolg sein können? Auch davon ist der Landrat nicht in Gänze überzeugt, wenngleich Testungen helfen, asymptomatische Personen herauszufiltern und somit Infektionsketten zu brechen. „Nach wie vor sind Tests nur eine Momentaufnahme und geben keine absolute Sicherheit. Auch die Konzentration der Viren spielt neben der korrekten Anwendung eine nicht unerhebliche Rolle“, weist Bär auf die vermeintlich wahrgenommene Sicherheit hin. „Die Impfungen sind der einzige veritable Weg aus der Krise und am Ende müssen wir auch lernen mit dem Corona-Virus zu leben“, so Bär. Aktuell verfolgt das Land Baden-Württemberg eine Drei-Säulen-Strategie, die Testungen in Schulen und Kitas über Selbsttestungen, Bürgertestungen in den Kommunen vor Ort und Testungen in Betrieben vorsieht. Mit den Bürgermeistern gibt es Gespräche darüber, wie das teilweise bereits vorhandene Angebot an Schnelltests noch weiter ausgebaut werden kann.

Die Situation im Klinikum Tuttlingen und in den Pflegeheimen bezeichnet Landrat Bär auch weiterhin als stabil. Lediglich 13 Bewohner*innen und 5 Mitarbeiter*innen sind Stand heute in den Pflege- bzw. Rehaeinrichtungen und Behinderteneinrichtungen noch infiziert. Gegenüber der Vorwoche ist im Besonderen unter den infizierten Mitarbeiter*innen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Im Klinikum sind derzeit 11 Patient*innen untergebracht, wobei lediglich eine Person auf der Intensivstation beatmet wird. „Für mich ein wichtiges Signal. Allerdings machen sich steigende Infektionszahlen bei uns in der Statistik erst 10 bis 14 Tage später bemerkbar. Wir müssen abwarten“, kommentiert der Landrat die Lage im Klinikum. Auffallend ist der Anteil jüngerer Patienten im Klinikum. Dieser ist von 10 Prozent auf 30 Prozent gestiegen. Dies ist u. a. auf den Rückgang älterer Patienten zurückzuführen. Offensichtlich zeigen in diesem Alterssegment die Impfungen ihre Wirkung. 

Zu guter Letzt hat der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim in dieser Woche die bisher geltende Quarantänepflicht für die „Konaktpersonen der Kontaktperson“ eines mit einer Corona-Variante Infizierten gekippt. Diese Regelung entfällt ab sofort. Zur Begründung führten die Richter unter anderem aus, dass nach der Bewertung des Robert-Koch-Instituts Haushaltsangehörige von Kontaktpersonen der Kategorie eins nicht allein wegen ihrer Hausaltszugehörigkeit als ansteckungsverdächtig eingeordnet werden könnten.

Zum Ende der Pressekonferenz fasst der Landrat vor den Spitzengesprächen in Berlin seine wichtigsten Forderungen noch einmal zusammen:

Landeseinheitliche Regelungen
Zum einen müssen wir wieder zu landeseinheitlichen Regelungen kommen. Die letzten Tage und Wochen haben gezeigt, dass ver-schiedene Regelungen in den Regionen zu großer Unzufriedenheit und Unmut führen und den Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr vermittelbar sind.

Click & Meet für den stationären Einzelhandel
Vertretbar wäre aus unserer Sicht, zumindest das Click und Meet-System bis Ostern für die Geschäfte weiterhin zuzulassen und damit auch ein wichtiges Signal für den stationären Einzelhandel zu setzen. Mit Auflagen wie Hygienekonzepten, Masken und gegebenenfalls auch zusätzlichen Testungen wäre dies denkbar.

Mehr Impfstoff
Damit wir schnellstmöglich deutliche Erleichterungen im Alltag spürbar machen können, brauchen wir mehr Impfstoff. Zusätzlicher Impfstoff, der neben dem Kommunalen Impfzentrum (KIZ) auch in den Praxen verabreicht werden könnte, wäre ein wichtiger Schritt nach vorn.

Für Schnelltests und Selbsttests müssen zusätzliche Angebote geschaffen werden
Wenn Lockerungen von Tagesbescheinigungen abhängig gemacht werden sollten werden die bisher aufgebauten rein kommunalen und ehrenamtlichen Strukturen alleine nicht ausreichen. Auch private Anbieter sollten neue Angebote schaffen und es Apotheken und Drogeriemärkten gleichtun.