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Pressemitteilungen
26.04.2021

Dritte Welle erreicht den Landkreis Tuttlingen // Bundesweite Notbremse beschlossen // Landkreis startet mit Informations-Kampagne zur Luca-App // Weitere Fortschritte beim Impfen

Auch im Landkreis Tuttlingen spitzt sich die Lage weiter zu. Mit im Schnitt 70 Corona-Neuinfektionen pro Tag (KW 16) steigt der 7-Tages-Inzidenzwert weiter deutlich an. „Das Infektionsgeschehen ist weiterhin diffus und verteilt sich über alle Gemeinden des Landkreises“, erklärt Landrat Stefan Bär in der wöchentlichen Pressekonferenz. Größere Einzelausbrüche lassen sich nicht ausmachen. „Unser Gesundheitsamt verzeichnet zunehmend schwerere Verläufe, das zeigt sich auch an der gestiegenen Belastung der Klinik“, so der Landrat weiter. Aufgrund des bundesweit ansteigenden Inzidenzwertes haben Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder eine bundeseinheitliche Notbremse beschlossen. Diese trat bereits am Samstag, dem 24. April 2021 in Kraft. Überschreitet demnach ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt eine Inzidenz von 100, gelten dort künftig bundeseinheitliche Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Was die bundeseinheitliche Notbremse beinhaltet

Für den Landkreis Tuttlingen haben sich durch die sogenannte „Notbremse“ keine wesentlichen Änderungen ergeben. Bei den bereits geltenden Regelungen hat sich lediglich der Beginn der nächtlichen Ausgangsbeschränkung geändert (neu 22 Uhr statt bisher 21 Uhr). Zudem gibt es weitere Ausnahmen für Einzelpersonen bis 24 Uhr. Schulen und Kitas wurden bereits am Mittwoch dieser Woche geschlossen. Sie dürfen erst wieder öffnen, wenn ein Inzidenzwert von 165 unterschritten wird.

Grundsätzlich gilt, dass strengere und von den Vorschriften des Bundes abweichende Regelungen der Länder ihre Wirksamkeit behalten. Baden-Württemberg wird sich hinsichtlich der Ausgangsbeschränkungen der Bundesregelung anpassen. Folglich wird der Beginn der bislang geltenden Ausgangsbeschränkung von 21 Uhr auf 22 Uhr ausgedehnt.

Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes beinhaltet außerdem, dass die Bundesregierung in Gebieten mit einer Inzidenz über 100 weitere Infektionsschutzmaßnahmen mittels Verordnung veranlassen kann. Diese Verordnungen können vor allem weitergehende Vorschriften und Maßnahmen des Infektionsschutzes, Präzisierungen, Erleichterungen oder Ausnahmen vorsehen. Daneben kann der Bund auch inzidenzunabhängig besondere Regelungen für Personen treffen, bei denen von einer Immunisierung, etwa bei vollständig Geimpften, auszugehen ist oder die ein negatives Testergebnis vorlegen können.

Aktuelle Corona-Situation im Landkreis

Am Freitag, dem 23. April, verzeichnete der Landkreis 77 weitere positive Fälle und steigt damit in seiner Inzidenz von 283. Mit 316 Fällen ist in der KW 16 die höchsten Fallzahlen in diesem Jahr erreicht. Seit einer Woche hat sich damit die Kreisinzidenz deutlich stärker entwickelt als der Landeswert. Aktuell liegt der Landkreis Tuttlingen auf Platz 3 der am stärksten belasteten Kreise im Land. Sollte die aktuelle Entwicklung andauern, so wird die 300er-Marke in den nächsten Tagen überschritten werden. Die derzeitige Lage verspricht zumindest für die nächsten Tage keine wesentliche Verbesserung.

Sorge bereitet der Anstieg der Zahlen im Klinikum. Aktuell befinden sich 19 Patienten im Klinikum, davon werden 5 auf der Intensivstation beatmet. Weitere Verdachtsfälle gibt es derzeit keine. Die Situation im Klinikum hat sich in der letzten Woche deutlich verschärft. Die Notfallkapazitäten mussten ausgebaut werden. Fachpersonal aus anderen Abteilungen wird zur Behandlung der Corona-Patienten abgezogen, das ambulante OP-Zentrum in Spaichingen wurde geschlossen und planbare Eingriffe in Tuttlingen reduziert. Die Situation in den Pflegeheimen und Rehaeinrichtungen hält sich indes stabil. Aktuell sind lediglich noch 6 Mitarbeiter infiziert.

Die Ursachen der Ansteckungen liegen landesweit laut Auswertungen des Landesgesundheitsamtes (LGA) mit einem Anteil von 40 % nach wie vor im privaten Freizeitverhalten und dem häuslichen Bereich, gefolgt vom Arbeitsumfeld mit rund 30 %. Diese Anteile lassen sich im Grunde auf das Infektionsgeschehen im Kreis Tuttlingen übertragen. Gerade in den Betrieben waren in den letzten Tagen vermehrt Ansteckungen zu verzeichnen. Auch Auswirkungen der im Rahmen des Ramadans stattfindenden abendlichen Treffen im Familienkreis (Fastenbrechen) sind spürbar, ähnlich wie dies über den kirchlichen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern der Fall war. In den letzten Tagen hat es auf verschiedenen Wegen Gespräche mit den Verantwortlichen der muslimischen Gemeinden gegeben, um die stärkere Einhaltung der Regeln einzufordern. Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag dürften auch die vermehrt feststellbaren Verstöße gegen Maskenpflicht und Abstandsgebote bei diversen stattgefundenen Versammlungen leisten.

Bemerkbar machen sich auch die zusätzlichen Schnelltestungen, allerdings bei weitem nicht in dem Umfang wie in der breiten Öffentlichkeit angenommen. Insgesamt wurden in der KW 16 5.454 Testungen in den kommunalen Schnelltestzentren und Praxen durchgeführt. Hierunter konnten 41 positive Fälle ausgemacht werden. Bezogen auf die tatsächlichen Fallzahlen entspricht dies einem Anteil von 11%.

Durchgeführte Impfungen bis heute

Bis zum Ende dieser Woche liegt die Zahl der durchgeführten Erst- und Zweitimpfungen bei 37.552 - einschließlich der Impfungen der Arztpraxen. Davon sind 29.798 Erstimpfungen und 7.754 Zeitimpfungen. Nach den bisher zugesagten und eingeplanten Impfmengen werden wir Ende KW 18 (9.5.) bei rund 48.000 Impfungen liegen.

Der Anteil der Bewohner aus dem Landkreis Tuttlingen an den bisher im KIZ durchgeführten und bis Ende Juli terminierten Impfungen liegt bei ca. 54%. Bezogen auf die Gesamteinwohnerzahl liegt der Anteil der tatsächlich im KIZ verabreichten Impfungen an Personen aus dem Kreis bei ca. 9%. Da darin weder die über die Praxen vorgenommenen Impfungen noch die in anderen Landkreises getätigten Impfungen enthalten sind liegt die Zahl der geimpften Personen aus dem Kreis sicherlich höher. „Das Land hat für die kommende Woche eine kreisscharfe Statistik angekündigt, auf die wir gespannt warten“, so Bär.

Fast die Hälfte aller im KIZ verabreichten Impfungen gingen somit bisher an Personen aus anderen Landkreisen. Das relativiert die Klagen der größeren Landkreise deutlich, die in den letzten Tagen die Verteilung der Impfdosen moniert und angebliche „Unwuchten“ ausgemacht haben. Die Realität sieht anders aus. „Die Menschen sind mobil und suchen sich ihre Impftermine dort, wo sie sie am schnellsten bekommen“, bestätigt Bär den regen Zulauf im KIZ Tuttlingen. „Außerdem hat sich inzwischen herumgesprochen, dass bei uns die Abläufe reibungslos funktionieren.“ Dieser Zustrom aus anderen Landkreisen - Spitzenreiter ist Konstanz mit alleine rund 12.000 Impfterminen - führt allerdings dazu, dass für die eigentliche Zielgruppe der einheimischen Bevölkerung weniger Impfstoff übrigbleibt. Wir haben uns deshalb an den Sozialminister Manne Lucha mit der Bitte gewandt, über einen verstärkten Einsatz der mobilen Impfteams aus dem ZIZ in Offenburg zusätzliche Impfungen dann auch zielgerichtet für die Tuttlinger Bevölkerung anbieten zu können.

Landkreis bewirbt Luca-App

Bis heute zählt das Gesundheitsamt für die Luca-App rund 120 Registrierungen durch Gemeinden, Handwerksbetriebe, Kirchen, Einzelhändler und Gastronomiebetriebe. Und es sollen noch mehr werden. Dirk Krafft, der als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes für die Verwaltung der Informationen der Luca-App verantwortlich zeichnet, ist von dem Mehrwert der App absolut überzeugt. „Aktuell arbeiten wir noch daran, den Suchalgorithmus anzupassen, so dass künftig alle Teilnehmer gemeindescharf gesucht und gefunden werden können. Laut Herstellerangaben ist dies aktuell noch nicht möglich“, erklärt Krafft. „Ansonsten trägt die App schon jetzt dazu bei, dass Infektionsketten deutlich schneller unterbrochen werden können, weil wir nicht mehr stundenlang mit der Auswertung von unter anderem falschen oder unvollständigen Angaben beschäftigt sind.“

In einer von der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg initiierten Gesprächsrunde mit den Gewerbevereinen des Landkreises Tuttlingen und Landrat Stefan Bär lag der Fokus darauf, die Luca-App in Kombination mit den kreisweiten Schnelltestzentren in den Blick zu nehmen. Der Landrat sagte zu, einen wesentlichen Beitrag zur Bekanntmachung der Luca-App leisten zu wollen, so dass diese schon bald im gesamten Landkreis bekannt und sowohl von Bürger*innen als auch von Händlern gleichermaßen genutzt würde. Nach den neuen bundesrechtlichen Vorgaben ist unter einer Inzidenz von 150 das „Click & Meet“-Geschäft künftig erlaubt, so dass dann die App auch im Handel zum Einsatz kommen kann. „Auch, wenn wir aktuell noch deutlich von dieser Grenze entfernt sind wollen wir heute schon die Voraussetzungen dafür schaffen, für diesen Öffnungsschritt gerüstet zu sein“, erläutert Landrat Bär die Initiative zum jetzigen Zeitpunkt.

Ziel des Landkreises ist es, die Luca-App als App im Kreis bekannt zu machen. „Wir möchten, dass sich möglichst viele Händler und Unternehmen für die Luca-App entscheiden, um über die geschaffene Schnittstelle das Gesundheitsamt in seiner Arbeit zu unterstützen“, erklärt Bär das kreisweite Engagement in Bezug auf die App. Von der KW 17 bis zur KW 20 sollen alle Haushalte, z. B. mit der Verteilung der Amtsblätter, auf die Luca-App aufmerksam gemacht werden. Für Unternehmen und Händler stellt der Landkreis Werbematerial in Form von Postkarten und Plakaten kostenfrei zur Verfügung und auch über die einschlägigen Social-Media-Kanäle des Landratsamtes und der Gemeinden soll die Luca-App beworben werden. „Unser besonderer Dank gilt den Gewerbevereinen, die im Landkreis Tuttlingen die Kampagne vor Ort unterstützen“, freut sich der Landrat über die positive Resonanz.