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Pressemitteilungen
21.09.2016

Jungigel in der Natur belassen

Nur wenige Igel benötigen Hilfe - Aufwertung des Lebensraums aber hilft allen Igeln

Mit dem Herbst kommt wieder die Zeit, in der vermeintlich hilflose Jungigel oft aus der Natur entnommen und zum Tierheim oder privaten Pflegestellen gebracht werden. Damit hilft man den Tieren in den wenigsten Fällen - auch wenn sie vielleicht erst 250 Gramm wiegen. Denn die Jungigel sind gerade einmal ein paar Wochen alt und können noch gar nicht größer sein.

Igel kommen zwischen Juni und September zur Welt, wobei in Deutschland die meisten Geburten im August erfolgen. Im Durchschnitt sind es 4 Junge pro Wurf. Die Jungigel wiegen bei der Geburt 12 bis 25 Gramm, am Ende der sechswöchigen Säugezeit 200 bis 250 Gramm. Dann sind sie selbständig und zerstreuen sich allmählich. Somit ist es völlig normal, dass im Herbst leichtgewichtige Jungigel unterwegs sind. Diese brauchen Zeit zum Wachsen und natürlich einen für die Nahrungssuche geeigneten Lebensraum. Was ihnen hilft, ist kein warmes Gebäude, sondern eine reich strukturierte Landschaft, die genügend Nahrung an Insekten, Tausendfüßlern, Spinnen, Schnecken und Würmern sowie Unterschlupf für den Tag und schließlich auch für den Winterschlaf bietet. Idealerweise sollten Jungigel bis Anfang November ein Körpergewicht von 500 Gramm erreicht haben, um für den Winterschlaf gerüstet zu sein; es haben nachweislich aber auch schon leichtere Igel erfolgreich im Freiland überwintert. Ist der November mild, wie es in den letzten Jahren bei uns häufig der Fall war, verlängert sich die Aktivitätsperiode, in der die Igel Nahrung finden, noch weiter.
Wenn man also im September oder Oktober, bei milder Witterung auch noch bis Ende November, einen Igel im Garten entdeckt, dann soll dieser in seinem Revier belassen werden. Findet man einen auch kleinen, aber ansonsten unauffälligen Igel in der Dämmerung oder bei Nacht auf der Straße, so setzt man ihn am besten ins nächste Gebüsch oder in den nächsten, hoffentlich naturnahen Garten in der Nähe, damit er nicht gleich überfahren wird.

Meist ist es falsch verstandene Tierliebe, Igel zu sich ins warme Haus zu holen.

An die Aufnahme eines Igels ist im Einzelfall nur dann zu denken, wenn er offensichtlich verletzt oder krank ist - oder wenn er nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumläuft, vor allem, wenn er dann auch noch unter 500 Gramm wiegt. Solche Igel findet man hauptsächlich bei Tag. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere oder um spät geborene, eventuell auch bereits erkrankte Jungtiere handeln. Diese sollten einem Tierarzt zur Untersuchung vorgestellt werden.

Wer Igel nachhaltig fördern will, sollte seinen Garten igelfreundlich gestalten: Gut strukturieren, nicht die letzte Ecke ausräumen, keine Schädlingsbekämpfungsmittel und Unkrautvernichter einsetzen und Unterschlüpfe belassen, zum Beispiel auch große Laubhaufen als Winterquartier. Detaillierte Informationen zum richtigen Igelschutz finden sich z.B. auf der Hompepage des Vereins Pro Igel (www.pro-igel.de).