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Pressemitteilungen
06.07.2016

Landratsamt, Kreishandwerkerschaft und Ferdinand-von-Steinbeis-Schule einig: Sprache, Ausbildung und Arbeit einziger Weg für beschleunigte Integration von Flüchtlingen

Am Montagabend haben sich auf Einladung von Landrat Stefan Bär, der Präsident der Handwerkskammer Konstanz, Gotthard Reiner, Vertreter der Kreishandwerkerschaft Tuttlingen und der Innungen, der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Tuttlingen und des Landratsamtes zum so genannten „Handwerkerforum“ in der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule getroffen. Das Handwerkerforum findet alle 2 Jahre statt und dient dem Austausch zwischen Kreis und Handwerkern über aktuelle Herausforderungen. Thema des diesjährigen Handwerkerforums war die Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

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Handwerkerforum 1

„Die entscheidenden Parameter für eine gelungene Integration sind Sprache und Arbeit. Wer eine gute Arbeit hat und gutes Geld verdient, wird in Deutschland kein Integrationsproblem haben. Hier sind wir alle gefordert“, so Landrat Stefan Bär zum Einstieg. Während dem Landkreis eine zentrale Rolle beim Angebot von Sprachkursen nachkomme, wäre das Handwerk bei der Berücksichtigung der Flüchtlinge als Auszubildende gefordert.

Über zwei Drittel der Flüchtlinge sind im arbeitsfähigen Alter. „Es ist ein riesiges Potenzial für den Ausbildungsmarkt vorhanden. Die Unterbringung der Flüchtlinge ist die eine Sache, jetzt sind wir in der Phase der Integration. Es wird sicherlich Fälle geben, wo sie schnell und einfach gelingt, es wird aber auch andere Fälle geben, auch wenn der Wille da ist. Durch das neue Integrationsgesetz können Jugendliche unabhängig vom Ausgang ihres Asylverfahrens eine Ausbildung fertig machen. Ich begrüße dies sehr, zumal dies für das Handwerk Rechtsicherheit gibt. Auch nach der Ausbildung haben sie gute Chancen, in Deutschland zu bleiben, unabhängig vom Ausgang ihres Asylverfahrens“, so Landrat Stefan Bär.

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Handwerkerforum 2

111 junge Flüchtlinge werden aktuell in den 7 VABO-Klassen der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule von 28 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Im Schuljahr 2016/2017 sollen zwei weitere Klassen hinzukommen. Perspektivisch besuchen die Flüchtlinge nach einem Jahr die so genannte VABR-Klasse (Hauptschulabschluss), dann die 2-jährige Berufsfachschule (mittlerer Bildungsabschluss) und machen eine Ausbildung. Schwächere Schüler besuchen die VABO-Klasse ein 2. Jahr. „Die Deutschkenntnisse unserer Schülerinnen und Schüler reichen von 0 bis 9 Jahre. Das ist eine Herausforderung, die unsere Lehrkräfte täglich stemmen. Conny Gottschalk, die bei uns für die Jugendberufshilfe zuständig ist, kommt eine ganz besondere Rolle zu. Sie kümmert sich um die Flüchtlinge, sucht mit ihnen nach der richtigen Ausbildung und stellt Kontakte her. Dank ihrer äußerst engagierten Arbeit haben schon viele Flüchtlinge einen Praktikumsplatz, einige wenige auch schon einen Ausbildungsvertrag“, so Hartwig Hils, Leiter der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule.

Insgesamt 5 Flüchtlinge haben sich im Rahmen des Handwerkerforums vorgestellt. 4 haben bereits einen Ausbildungsvertrag bei Betrieben im LK. Einer macht derzeit noch ein Praktikum und hofft ebenfalls auf einen Ausbildungsvertrag. Die anwesenden Handwerker waren beeindruckt davon, wie gut die jungen Männer aus Syrien und Gambia bereits die deutsche Sprache gelernt haben.

Nach einem kurzen Besuch der Schreiner-Klasse und der Friseurs-Klasse, wo die Flüchtlinge auch am späten Abend eifrig lernten, folgte noch ein kurzer Austausch über die Entwicklung der Kleinklassen und dann der gemütliche Ausklang des Abends.