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Pressemitteilungen
31.12.2021

Neujahrsbotschaft von Landrat Stefan Bär

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

wir alle haben ein schwieriges Jahr hinter uns. Wieder war Corona das alles beherrschende Thema. Vor einem Jahr haben wir noch zuversichtlich auf 2021 geblickt, in der Erwartung, dass die entwickelten Impfstoffe die Trendwende bringen und die Pandemie beenden würden. Leider haben wir uns getäuscht - das Virus hält sich nicht an unsere Planungen.

Betroffen machen uns vor allem die mit Corona verbundenen schweren Schicksale. Allein in unserem Landkreis sind bislang über 190 Menschen mit dem Corona-Virus verstorben. Über 16.000 Menschen in unserem Landkreis haben sich seit Beginn der Pandemie mit dem Virus infiziert. Unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl gilt denjenigen, die geliebte Menschen verloren haben und auch allen, die schwer erkrankt sind und an den Folgen ihrer Erkrankung weiterhin leiden.

Eine schwere Last bedeutet die Pandemie vor allem für die im Gesundheitswesen Beschäftigten, die Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, die medizinischen Fachangestellte, die Rettungsorganisationen und viele weitere. Besonders ihnen gilt unser Dank, unsere Anerkennung, Hochachtung und Wertschätzung für ihr großartiges Engagement und ihren unermüdlichen Einsatz, der oft über die Belastungsgrenze hinausgeht.

Wir alle sehnen uns nach Normalität, nach Unbeschwertheit und Spontanität, nach allem, was unser Leben vor Corona so lebenswert gemacht hat. Doch müssen wir uns darauf einstellen, dass es wohl noch einige Zeit dauern wird, bis wir all das wieder genießen können. Der Höhepunkt der vierten Welle ist zwar vorbei. Nun aber wartet mit Omikron bereits eine neue Variante, auf die wir uns vorbereiten müssen, ob wir wollen oder nicht. Wir werden das nur gemeinsam schaffen.

Das Virus hat nicht nur unsere Gesundheitsversorgung, sondern auch unsere Gesellschaft an ihre Grenzen gebracht. Die existentiellen Sorgen für viele Betriebe und auch Einzelpersonen sind das eine und schon schlimm genug. Die Diskussionen um die richtigen Maßnahmen, das Impfen und eine Impfpflicht das andere. Hier prallen Meinungen aufeinander und belasten uns nicht nur im Arbeitsumfeld oder in der Freizeit, sondern bis in die Familie hinein. Manche Positionen wirken dabei fast unversöhnlich.

Es gibt aber auch diejenigen, die das Virus zum Anlass nehmen in einer bisher ungekannten Art und Weise mit Hass und Hetze ihre Ablehnung unseres demokratischen Systems zum Ausdruck zu bringen. Denen müssen wir mit aller Entschiedenheit entgegentreten. Demokratie lebt vom Streit, vom Ringen um den richtigen Weg. Sie braucht aber auch eine Streitkultur, die uns in den letzten Monaten ein Stück weit verloren gegangen scheint.

Was wir brauchen, ist Respekt für andere Meinungen, keine Beschimpfungen, die uns auseinandertreiben. Am Ende brauchen wir aber auch Akzeptanz der von den gewählten Vertretern getroffenen Entscheidungen und insbesondere die Einhaltung von Regeln. Beides gehört zu dem demokratischen Grundverständnis, ohne das eine freie Gesellschaft wie unsere nicht funktionieren kann.

Das Virus werden wir am Ende medizinisch besiegen oder zumindest so kontrollieren, dass wir wieder ein normales Leben führen können. Aber auch als Gesellschaft und Gemeinschaft werden wir wieder zusammenfinden müssen. Diese Herausforderung scheint mindestens genauso groß wie die medizinische. Dass uns dies beides gelingt, das sind meine wichtigsten Wünsche für 2022.

Doch auch außerhalb von Corona gibt es noch wichtige Aufgaben, die uns beschäftigen. So erwarten uns im Bereich des Klimaschutzes - um nur das größte globale Thema zu benennen - große Herausforderungen, die wir als Ansporn und Chance begreifen sollten. Jede Ebene - Bund, Land, Kommunen - ist gefordert und wird einen Beitrag leisten müssen, ebenso wie jeder einzelne von uns in seinem täglichen Alltagsverhalten.

Darüber hinaus ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung. Wir wollen die medizinischen Angebote im stationären und ambulanten Bereich, vor dem Hintergrund einer weiter alternden Gesellschaft mit einem wachsenden Behandlungsbedarf, sicherstellen und verbessern. Es gilt, gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus unterschiedlichen Bereichen in den kommenden Jahren die wohnortnahen Versorgungsangebote aktiv mitzugestalten. Wichtige Schritte dazu sind die baulichen Investitionen in das Klinikum in Tuttlingen aber auch die Umnutzung des Gesundheitszentrums Spaichingen zu einem Schwerpunkt der ambulanten und pflegerischen Versorgung im Kreis. Mit Investitionen in die Schulen des Landkreises wollen wir zudem auch unsere Bildungslandschaft im beruflichen und sonderpädagogischen Bereich weiter stärken und unserer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation gerecht werden.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Organisationen, unseren kommunalen, landes- und bundespolitischen Verantwortungsträgern, Kirchen und Unternehmen, die sich ganz besonders für unsere Gemeinschaft engagieren, für unsere Grundhaltungen und Überzeugungen einstehen und in vielen Bereichen zu einem guten Miteinander beitragen. Lassen sie uns auch in 2022 gemeinsam für die Menschen im Landkreis Tuttlingen unser Bestes geben.

Für das Jahr 2022 wünsche ich Ihnen alles Gute, neue Kraft und Mut, Zuversicht und vor allem Gesundheit!

Ihr Stefan Bär