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Pressemitteilungen
04.02.2021

Tuttlinger High-Tech im Kampf gegen Corona
Binder-Kälteschrank kühlt auch im KIZ

Tuttlingen. Auch Hightech aus Tuttlingen kommt im Kampf gegen Corona zum Einsatz. Im Kreisimpfzentrum (KIZ) wird seit dieser Woche ein spezieller Kälteschrank der Tuttlinger Firma Binder eingesetzt. In ihm - so erfuhren OB Michael Beck und Landrat Stefan Bär bei einem Vor-Ort-Termin - könnten auch größere Mengen des Impfstoffs gelagert werden. Bis jetzt allerdings werden die Kapazitäten des KIZ bei weitem nicht ausgeschöpft.

Kaum öffnet sich die doppelte Tür aus Stahl, dampft es heftig. Kein Wunder: Im Inneren des Schranks herrschen frostige 80 Grad unter Null - die Temperatur, bei der der mRNA-Impfstoff von BioNTech Pfizer gelagert werden muss. Fünf Tage kann er dort aufbewahrt werden, einmal pro Woche kommt die Lieferung. Bundespolizisten bringen ihn in die Kreissporthalle. Bewaffnet. Denn in Zeiten des Mangels sind die kleinen Ampullen sehr wertvoll. „Das ganze Gebäude ist rund um die Uhr bewacht“, berichtet Bernhard Flad vom Leitungsteam des KIZ.

Gebaut wurde der Kälteschrank für die kostbare Ware nur wenige hundert Meter von seinem Einsatzort entfernt - bei der Firma Binder in Gänsäcker. Denn Binder ist einer von weltweit fünf Herstellern, die für solch extreme Temperaturen ausgelegte Kälteschränke im Programm haben. Die Mitbewerber sitzen in den USA, Mexiko, China und Japan. Entsprechend sieht die aktuelle Auftragslage aus. 440 Impfzentren werden bundesweit beliefert, alleine 60 in Baden-Württemberg. Wie man sich als Unternehmer dabei fühlt, im Kampf gegen Corona an vorderster Front mit dabei zu sein? Binder Vice-President Michael Pfarr verliert nicht allzu viele Worte. „Aber stolz macht es uns schon“, gibt er zu. Und bei einem Besuch im KIZ freuten sich auch OB Michael Beck und Landrat Stefan Bär, dass die Firmen aus Stadt und Kreis spürbare Beiträge gegen die Pandemie leisten. „Dass bundesweit in Tuttlinger Schränken gekühlt wird, ist schon beeindruckend“, so Beck.

Vorteile brachte dem Tuttlinger KIZ die Produktion vor Ort übrigens nicht: Da die Beschaffung zentral abgewickelt wird, galten auch hier die üblichen Wartefristen. Folglich fand der Kälteschrank auch erst eine Woche nach KIZ-Eröffnung seinen Weg vom Mittleren Ösch in die Theodor-Heuss-Allee. Bis dahin musste man sich mit Trockeneis behelfen.

Während die technische Ausstattung jetzt perfekt ist, wartet man weiterhin auf größere Impfstoff-Zuteilungen - wie überall im Land. Im Frühjahr, so schätzen Bernhard Flad und sein Leitungsteam-Kollege Jürgen Zeller, wird sich dies deutlich ändern. Bis dahin gilt es freilich, den Mangel zu verwalten. Darum ist es auch weiterhin in der Kreissporthalle relativ ruhig: Von sieben Impfstraßen ist nur eine in Betrieb, und geöffnet ist auch nicht jeden Tag. Alles in allem wurden bislang 1250 Menschen immunisiert, die meisten von mobilen Impfteams in Pflegeheimen.

Etwas ungeduldig wirkt Jürgen Zeller schon. „Wir könnten hier von der Logistik her ab sofort täglich 750 Menschen impfen, haben aber nur Impfstoff für 60. Es ist etwa so, wie wenn Sie mit einem großen Reisebus fahren, aber nur einen Passagier an Bord haben.“