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Pressemitteilungen
30.11.2021

HIV und AIDS - nach wie vor aktuell

Am 1. Dezember ist es wieder soweit: Seit 1988 wird jedes Jahr weltweit an diesem Tag an das Thema HIV und AIDS erinnert und informiert. Dieses Jahr steht die Kampagne unter dem Motto: „Leben mit HIV. Anders als du denkst.“ Denn Menschen mit HIV können bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung genauso leben wie alle anderen. Zwar ist die Krankheit nicht heilbar und auch der Impfstoff lässt weiterhin auf sich warten, doch trotzdem ist die Geschichte von HIV/AIDS eine großartige medizinische Erfolgsstory. 

1996 wurde erstmals die antiretrovirale Kombinationstherapie vorgestellt, heute stehen über 20 Wirkstoffe zur Verfügung, so dass die Therapie auch bei auftretenden Problemen individuell angepasst werden kann. Heute reicht oft eine einzige Tablette täglich, bei keinen oder nur geringen Nebenwirkungen. Die gute ärztliche Betreuung ist besonders wichtig, weil die Therapie lebenslang angewendet wird, immer von Kontrolltests begleitet. Mit dieser Therapie kann die Viruslast so stark verringert werden, dass Sie nicht mehr nachweisbar ist und eine Ansteckung nicht möglich ist. Eine erfolgreiche Therapie ermöglicht Menschen mit HIV jeden Beruf und jedes Hobby auszuüben, Sexualität zu genießen und auf natürlichem Weg eine Familie zu gründen. Auch die Lebenserwartung HIV Positiver Menschen ist unter Therapie annähernd so hoch wie bei allen anderen.

Ein enormer Erfolg, bedenkt man, dass ohne Therapie eine HIV Infektion nach wie vor zur Krankheit AIDS und schließlich zum Tod führt. Doch nur wer von seiner Infektion weiß, kann auch Therapie bekommen. Da die ersten Anzeichen einer HIV Infektion oft mild und unspezifisch sind und sich dann eine längere asymptomatische Phase anschließt, kann die Infektion leicht übersehen werden. Das RKI errechnet bei einer Gesamtzahl von 90.700 HIV Positiven, die Zahl der Unentdeckten auf 10.800 zum Jahresende 2019. Auch wenn das Corona-Virus im Moment alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und zeitweise HIV Testmöglichkeiten eingeschränkt hat, ist es wichtig, dieses Thema im Blick zu behalten. So bietet das Gesundheitsamt Tuttlingen weiterhin kostenlos anonyme HIV Tests an und berät und testet auch gerne zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Leider sind trotz der sehr guten therapeutischen Möglichkeiten immer noch Vorurteile verbreitet. Nach einer Forschungsarbeit (positive Stimmen 2.0, erhoben zwischen Mai 2020 und Januar 2021, im Auftrag der deutschen Aidshilfe) leiden HIV Positive nach wie vor unter Vorurteilen und Diskriminierung. So gaben 90% der Befragten an, dass sie grundsätzlich gut mit ihrer HIV Infektion leben können. 95% gaben aber an, innerhalb der letzten 12 Monate diskriminiert worden zu sein, bis hin zu tätlichen Angriffen. 52% gaben an, durch Vorurteile in ihrem Leben beeinträchtigt zu werden. Auch im Gesundheitswesen findet Diskriminierung statt, sechs von zehn der Befragten gaben an, in diesem Bereich in den letzten 12 Monaten eine negative Erfahrung gemacht zu haben. Ebenso sind HIV Positive im Arbeitsleben von Benachteiligung betroffen, z. B. durch die Forderung eines negativen HIV Tests im Bewerbungsverfahren. Grund für die Diskriminierung sind oft unbegründete Ängste vor einer Übertragung und Vorurteile. Dabei gab es im Alltagsleben noch nie ein Übertragungsrisiko. Und man kann sich zuverlässig schützen: durch Kondome beim Sex, durch Therapie bei Infektion und durch Tests zu rechtzeitigen Entdeckung.

Termine für kostenlose, anonyme Tests und Beratung gibt es im Gesundheitsamt Tuttlingen.

Ansprechpartnerin:
Inge Jahn
Tel: 07461-926 4212
i.jahn@landkreis-tuttlingen.de